Jüngste Predigt

 

Hier finden Sie immer die zuletzt von mir abgeschriebene bzw. als Hördatei aufgenommene Predigt.

Die Predigt vom 18.11.2018 über den Römerbrief 8,18 - 25 und die Freiheit der Kinder Gottes  hier als Hördatei!

 

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Da ich meine Predigten immer handschriftlich verfasse, ist die hier zu lesende, nicht immer die zuletzt gehaltene Predigt, sondernoft schon älter.

 

 

Predigt über den Galaterbrief 5,25 – 6,5 zum Thema: „Einer ertrage den anderen“

 

 

 

Der Apostel Paulus schrieb: „Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln. Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden. Brüder und Schwestern, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid. Und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben und nicht gegenüber einem andern. Denn ein jeder wird seine eigene Last tragen.“ 1

 

 

 

 

 

Liebe Gemeinde,

 

am bekanntesten aus diesem Abschnitt ist das Wort: „Einer trage des anderen Last“, die Fortsetzung schon etwas weniger „ so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ Übersehen wird in der Regel der letzte Satz: „Denn jeder wird seine eigene Last zu tragen haben.“

 

Das ist auf den ersten Blick ein Widerspruch und das in einem so kurzen Text . Doch verwendet Paulus im Griechischen dafür zwei verschiedene Wörter. Im zweiten Fall meint es eine Last, die einer ganzen Schiffsladung entspricht. Nun, wenn damals auch die Schiffe kleiner waren als heute, so konnte das trotzdem kein Mensch tragen. Aber doch, Paulus traut Menschen, die wie er das Wirken des Geistes Gottes in sich spüren, das zu: so stark zu sein, natürlich nicht körperlich, aber seelisch so viel verkraften zu können, dass es bildlich gesprochen eine ganze Schiffsladung ist.

 

Ja, wenn wir an unser eigenes Leben denken, kommt da nicht eine Schiffsladung zusammen, wenn wir uns mal jede schwere Situation, die wir durchzuhalten hatten, bildlich als einen Sack vorstellen? Kaum einer von uns wird doch von sich sagen können: „Also bei mir lief alles glatt. Ich habe liebe Eltern, Geschwister und Freunde, hatte gute Lehrer und habe jetzt nette Kollegen, eine sinnvolle Arbeit mit guter Bezahlung und vor allem eine/n liebevolle Partner/in und wohlgeratene Kinder, die mir viel Freude machen. Gerade bin ich dabei, die nächste Urlaubsreise zu planen.“ - Das ist ja so ein Idealbild, wie das Leben laufen sollte, wenn wir nur alles richtig machen und uns genug anstrengen und kooperativ sind.

 

Nein, wenn wir auf unser Leben zurückblicken, vermute ich, kommen schon etliche Säcke zusammen, die wir zu tragen hatten, nicht alle auf einmal, obwohl wir auch schon erlebt haben: „Ein Unglück kommt selten allein.“ - Aber oft ist es auch nach einander da: Ist ein Problem gelöst, da kommt schon das nächste. Ich empfinde mein Leben wie den Hochsprung: Ist eine Höhe geschafft, so wird die Latte höher gelegt. Und das nächste Problem wird noch schwieriger.

 

So scheint es mir auch mit dem menschlichen Leben insgesamt zu sein. Das Altwerden und am Ende das Sterben stellen seelisch und oft auch körperlich die höchsten Anforderungen an uns und werden von uns als Last und nicht gerade als Lust empfunden. Den Gedanken an die Lust verbinden wir doch eher mit der Jugend.

 

Im 2. Brief an die Korinther im Kapitel 11 zählt Paulus auf, was er selbst auf seinen Reisen durchgemacht hat. Da kann man nur staunen, wie das ein Mensch ertragen konnte und sich trotzdem nicht davon abbringen ließ, die frohe Botschaft von Jesu Tod und Auferstehung weiterzusagen und Gemeinden zu gründen. Und so hält er auch die Leute in den christlichen Gemeinden für stark, gewaltige Lasten zu tragen, stark durch den Geist Gottes zu sein, der uns die Kraft schenkt.

 

Nun, wenn wir alle so stark sind, wozu brauchen wir dann einen anderen, der uns unsere Last abnimmt, die wir zu tragen haben? Bei diesem Satz habe ich immer das Bild einer alten Oma vor mir, die eine schwere Tasche vom Einkauf nach Hause schleppt – und, wie uns schon als Kindern immer gesagt wurde, ihr dann höflich anzubieten, die Tasche für sie zu tragen. Vor allem wenn jemand schwer atmend vor einer Treppe steht und überlegt, wie er da mit seinem Gepäck hoch kommen soll, gehört es sich ja gerade für junge Männer, dann hilfsbereit zu sein.

 

Das von Paulus hier verwendete Wort für Last kann Verschiedenes meinen: die Last der Arbeit, müde zu sein nach einem Tag voller körperlicher Arbeit, zumal bei Hitze. Es können aber auch Lasten sein, die durch Gesetze verordnet werden, wie hohe Steuern, oder auch die Bürde eines Amtes, des Berufe:, die Verantwortung, die jemand zu tragen hat aufgrund seiner Stellung in der Gesellschaft. Nun das sind Lasten, die man niemandem abnehmen kann. Und so heißt das Wort tragen hier auch nicht eine Last zu tragen, wie man eine Tasche trägt, sondern „ertragen“. „Ertragt einander, ertragt einander, wenn ihr müde und erschöpft von der Arbeit seid und einer nur noch seine Ruhe haben möchte und schlafen will. Bedrängt ihn dann nicht in der Gemeinde: 'Komm doch zu unseren Veranstaltungen, auch wenn es abends spät wird oder du nicht mal am Sonntag ausschlafen kannst.' Habt Verständnis für einander, dass jemand, der Schicht arbeiten muss oder am Wochenende Dienst hat, sich nicht jede Woche n der Gemeinde sehen lassen kannund doch ein guter Christ ist.“

 

Aber das ist noch das Geringste für uns und leicht zu verkraften. Schwieriger wird es schon rein rechtlich, wenn jemand wegen der Höhe der Kirchensteuer offiziell aus der Kirche austritt, weil er meint, das nicht mehr zu verkraften, also die Last des Gesetzes nicht mehr tragen kann oder will. Wir haben schon vor vielen Jahren - 1998 - für solche Menschen unseren Förderverein „ZusammenLEBEN“ gegründet. Damals traten ganz viele Menschen aus unserer Kirche aus und wir wollten ihnen mit dem Verein eine Möglichkeit geben, trotzdem mit unserer Gemeinde in Verbindung zu bleiben. Aber bis heute hat dies niemand von ihnen genutzt, obwohl die Mitgliedschaft nur 50 Cent im Monat kostet. Dafür sind andere Mitglied geworden, die sich uns verbunden fühlen und unsere Gemeinde unterstützen wollen.

 

Tatsächlich gefordert werden wir durch andere Lasten, die Paulus hier auch anspricht: Das Vergleichen untereinander. Da wir so starke, durch den Geist Gottes begabte Persönlichkeiten sind, guckt einer auf den anderen und vergleicht sich mit den anderen. Paulus sagt: „Lasst uns nicht nach eitler Ehre begierig sein.“ Was hier mit „eitel“ übersetzt wird, heißt „leer, nichtig“. So ein Lob, solche Ehre hat keinen Wert, hat nichts zu sagen, wenn sie durch Vergleiche mit anderen entsteht. Wir aber sind daran von Schulzeiten gewöhnt, durch Zensuren, Lob der Lehrer und Auszeichnungen. Und im Umgang mit Erwachsenen soll auch heute noch ein guter Leiter vor allem durch Lob und Anerkennung seine Mitarbeiter zu guten Leistungen motivieren und nicht durch Kritik.

 

Paulus sieht das anders: Jeder soll sich selber prüfen, das,was er leistet, und durch den Glauben und die starke Kraft, die man hat, alles tragen kann. Wir dürfen das durchaus sehen und ein bisschen stolz darauf sein, also es durchaus mal aussprechen. Paulus macht das auch, aber wir sollen uns nicht mit anderen vergleichen, um am Ende stolz auf andere herabzublicken oder unsere Leistung zur Norm für alle zu erklären.

 

Nicht nur ein Mensch, der schwierig und nervend ist, kann für andere als Last empfunden werden, sondern auch jemand, der viel kann, sehr fröhlich und kommunikativ ist, gut mit Leuten umgehen kann, sehr gut aussieht oder viel leistet. Denn die anderen, die sich mit ihm vergleichen, fühlen dann leicht ihre eigenen Schwächen, ihre Kleinheit, Hässlichkeit, ihr eigenes Unvermögen.

 

Darum werden im Neuen Testament die Starken immer wieder ermahnt, sich selbst klein zu machen, sprich demütig zu sein, sich nicht über andere zu stellen, sich nicht zu rühmen, sondern von dem Grundsatz auszugehen: „Wem der HERR viel gegeben hat, von dem wird er auch viel fordern und erwarten.“

 

Und die anderen, die sich selbst als schwach empfinden oder von der Gesellschaft so eingestuft und behandelt werden, die werden immer wieder bestärkt. Der ganz besondere Schutz Gottes wird ihnen zugesagt. Immer wieder werde an zentraler Stelle aufgezählt: Die Waisen, die Witwen, die Fremden - also Ausländer, ohne volle staatsbürgerlichen Rechte – , die Blinden, Lahmen, Tauben, Aussätzigen, - also alle, die von der vollen Teilhabe am Leben der anderen damals ausgeschlossen waren und es in vielen Ländern bis heute sind. Sie alle hat Jesus in unsere Gemeinschaft integriert.

 

Die Gefahr ist, dass wir uns durch Vergleiche untereinander wieder auseinander dividieren. Und so geht es darum zu lernen, einander zu ertragen. Nicht nur die Schwachen! Wenn wir sie unterstützen, spüren wir ja unsere eigene Stärke: Ich kann etwas. Ich kann helfen. Ich kann die Tasche die Treppe hoch tragen. Ich kann jemandem, der zerstört am Boden liegt wieder aufhelfen - bildlich gesprochen oder real . Da spüren wir, dass wir zu etwas nütze sind und das macht uns Freude.

 

Auch die Starken sollen wir ertragen können, die uns, wenn wir uns denn mit ihnen vergleichen, unsere eigene Kleinheit spüren lassen.

 

So kommt die Frage auf, mit wem vergleichen wir uns gern bzw. üblicherweise? Das sind in der Regel Arbeitskollegen, Freunde und Menschen in annähernd demselben Alter wie wir selbst. Was haben sie aufzuweisen – an Kindern, an Lebensleistung, im Beruf? Solche Vergleiche schließen in der Regel eben nicht die Lasten ein, die der andere zu tragen hat, jene ganze Schiffsladung von Säcken, die wir oft nicht sehen, weil sie schon im Bauch des Schiffes seit geraumer Zeit liegen.

 

Gott, unser himmlischer Vater sieht alles und vergisst auch nichts. Er weiß+, wie viel Kraft er uns gegeben hat, welche Gaben und Talente er uns anvertraut hat und was er von uns erwarten kann. Von jedem von uns ist das etwas anderes. Nur so kann unsere Gemeinschaft funktionieren. Eben weil wir alle unterschiedlich sind, ist es bei uns schön, denn wir ergänzen einander, bringen gemeinschaftlich etwas zustande. Vor allem ist es bei uns nie langweilig, sondern geht es sehr lebendig zu. Es ist immer etwas los. Ja, das erleben wir hier in der Gemeinde täglich. Amen.

 



 

Dank- und Fürbittengebet

 

Herr, es ist immer etwas los bei uns hier in der Gemeinde. Es wird sichtbar, dass wir als Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern wie in einer Familie leben, zusammengeführt und verbunden durch deinen Geist. Herr, habe Dank, dass wir das spüren dürfen, vor allem auch durch Gäste aus anderen Gemeinden, Ländern und Kulturen. Wie wunderbar ist es zu spüren: Du verbindest uns über alle Unterschiede hinweg zu einer Gemeinschaft, die Dich Jesus als unser Haupt verehrt und sich durch Dich regieren lassen möchte. Herr, wir danken Dir!

 

Herr, bei uns ist immer etwas los, auch manches, was uns schwer fällt zu ertragen und vor dem wir uns abgrenzen müssen, wollen wir darunter nicht zerbrechen. Lass uns doch erkennen, was uns an unserer Lebensweise und Umwelt krank macht und die Lebenskraft raubt. Wenn sich in unserem Herzen Bitterkeit oder gar Hass ausbreiten, dann schenke uns Zeit für uns selbst, damit wir wieder rein werden. Gib uns Gelegenheit, unser Herz auszuschütten, so dass wieder Friede einziehen kann. Schenke uns Glaubensgeschwister, die uns wieder aufrichten und in Ordnung bringen.

 

Herr, bei uns ist immer etwas los. Unsere Umwelt verändert sich rasant durch die Digitalisierung und durch die so rasch gewachsene Mobilität der Menschen. Unsere Erde ist für viele scheinbar klein geworden, denn mit dem Flugzeug erreichen wir jedes Land in weinigen Stunden. Wir essen, was am anderen Ende der Welt wächst, und erfahren jeden Tag die Zahl der Toten von Naturkatastrophen und Terrorakten,. Gutes und Hoffnungsvolles aber selten. Herr, wir bitten Dich für uns alle, hilf uns an dem Ort zu leben, an den Du uns gestellt hast. Hilf uns, die Not der Menschen hier zu sehen und zu hören, wo wir etwas tun können, um sie zu lindern, mit unseren Möglichkeiten etwas zu verändern.

 

Herr, Du lädst uns ein an Deinen Tisch. Du lädst uns ein, Brot zu essen und um das tägliche Brot zu bitten, um das Lebensnotwendige! Du reichst uns den Kelch und fragst uns als Deine Jünger: Könnt ihr den Kelch trinken, den bitteren Kelch? Du gibst uns Teil an Deinem Leid wie an der Freude, dem Kelch des Heils, der Freude, des Festes. Hilf uns beides anzunehmen aus Deiner Hand: dankbar - und dies auch in der Gemeinschaft zu leben, hier in unserer Gemeinde. Amen

 

1Luther-Bibel 2017